8.05.2006 - Steine

In der Nach weint jemand leise
Nachts, wenn sich die
Lichter der Stadt einen Weg bahnen durch meine Vorhänge, und es nicht mehr
dunkel werden kann, weil das Gefühl des Lebens vergangen ist, bekomme ich
Besuch.
Nachts, wenn sich die regulierenden Neurone meines Gehirns eine
Pause gönnen, ihren normalen Zellstoffwechsel ein paar Stunden ruhen lassen,
öffnet sich ein Abgrund zwischen meinen Hemisphären. Nicht jede Nacht, nicht die
ganze Nacht. Aus dem Schlaf erwache ich plötzlich, vielleicht durch einen
schlechten Traum, vielleicht durch ein kleines Geräusch. Und dann habe ich
Angst.
Ich stelle mir die Angst als kleine Moleküle vor, die in meinem
Gehirn gebildet werden, mit dem Blutstrom ins Herz getragen werden. Mein
kräftiges Herz pumpt die Angst, wie ein Salz in Wasser gelöst, durch die große
Körperschlagader in jeden Teil meines Körpers, folgt den Abzweigungen der
zunächst größeren Arterien, die sich wieder und wieder aufzweigen, bis sie in
den hauchdünnen Kapillaren die Blutbahn verläßt, zwischen den Zellen meiner
Gewebe schwimmt und je mehr Angst da ist, wie ein Salz ausfällt. Ich stelle mir
vor, wie sie kleine Kristalle bildet, bis mein ganzer Körper von ihr erfüllt
ist.
Nachts, wenn die Angst gekommen ist, liege ich auf dem Rücken. Ich
bin nicht mehr ich selbst, mein Körper ein einziges Beben, die erstarrte Materie
zu Gefühl geworden. Von oben, unten, draußen höre ich ein leises Weinen, dieses
Weinen hat mich geweckt. Ich spüre, die Realität hat mich langsam wieder, ich
nehme wieder körperliche Empfindungen wahr. Meine Haut fühlt sich feucht an,
mein T-Shirt ein einziger See, ein ekelhafter angsterfüllter
Schweiß.
Nachts, wenn Schatten liegen stehen leben heißt und sich die
Kühle Feuchtigkeit mischen in der Stille, und ein leises Weinen wie ein Flehen
wie ein Hauch wie ein erlösendes Signal wie ein..., ich schlafe wieder ein.
glassonion
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7.05.2006 - Verloren

VERLOREN
Verloren in eisiger Kälte aus Angst und Trauer, Zorn und Wut... Gefangen im eigenen Körper, ein Skelett, lebendig begraben im eigenen Ich... den Kampf um leben und tot immer wieder geführt, manchmal Hoffnung geschöpft, und doch gestorben... Tränen, geweint aus der Leere, die mich umgibt... innere Leere, die niemand füllen kann...
Auf der Suche nach Erlösung unendlich viele Wege überquert, und doch öffnet sich immer wieder die Tür zur Hölle... Dämonen der Vergangenheit schauen listig um die Ecke, werfen mir ein Seil zu
Ein Seil geknüpft aus Lügen Heucheleien Grausamkeit
Flüstern: Vertrau mir Kichern ... und Du wirst tief fallen.
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28.04.2006 - Chaos

Hast Du geschaut mit meinen Augen?
Sahst Du darin mein Bild von Dir,
das ich aus Deinen Worten schuf,
die farbig, voller Wärme waren?
Was siehst Du nun?
Dein Lügenbild?
Schau mich an! Ich lächele! Meine Maske ist perfekt. Äußerlich Geschminkt Gestylt Gebräunt Alles Fassade Innerlich Enttäuscht Zerrissen Versteinert Geliebt Geträumt Vertraut Letztendlich Nur Zum Narren Gemacht!
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24.04.2006 - Alles wird anders

Ich liege im Bett. Es ist dunkel und kalt. Ich schließe die Augen und sinke in den Schlaf. Ich träume. In meinem Traum unterhalte ich mich mit einer Frau. Dieses Gespräch ist wohltuend und heilsam für mich. Ich habe das Gefühl, dass ich sie kenne, aber ich weiß nicht, wer sie ist. Als sie schließlich Abschied nimmt, wendet sie sich immer wieder bedauernd zu mir um. Als sie fast nicht mehr zu sehen war, erkannte ich, dass sie einen Zettel in der Hand hielt. "Einen Gutschein für das Glück" raunt sie mir zu. Ich strecke die Hand aus, um sie aufzuhalten, sie zurückzurufen, und wache auf. Ich denke. Heute ist ein guter Tag. Ich fühle mich sonderbar lebendig. Was ich heute tun muss, weiß ich genau. Ich habe einen präzisen Plan. Punkt eins - keine bewusstseinsverändernden Substanzen - kein Alkohol, kein Speed, keine Pille, keine Upper oder Downer. Mein Hirn ist klar und eindeutig, aber mein Körper ist schwächlich und meldet Zweifel an. Ich gehe ins Bad, traktiere den Körper erst mit heißen dann mit kalten Wasser, worauf er erschreckt verstummt. Ich stecke ihn in frische Klamotten und er versucht es mit einer sanfteren Taktik: Er ist bereit zu verhandeln. Wie wäre es denn mit einem starken Kaffee, einem Zigarillo oder vielleicht einem Gläschen Wein, meint er. Könnte man die Sache nicht behutsam angehen? Ich schubse den Körper in die Küche. Und als er dort eintrifft, erleidet er einen schlimmen Rückfall. Er blickt auf den vollen Mülleimer, die kaputte Spülmaschine, das Geschirr im Becken und fühlt sich völlig kraftlos. Er meint, er müsse sofort ins Bett zurückgebracht und wieder zugedeckt werden. Es ist noch nicht mal 8 Uhr beklagt er sich. Was soll das alles? Hier werden jetzt andere Seiten aufgezogen, teile ich ihm mit. Schluss mit der Rumhängerei. Punkt zwei: sauber machen. Der Körper tut wie ihm geheißen. Er leert den Mülleimer. Lässt Wasser in das Spülbecken - nimmt sich voll und ganz der Misere an und bevor man denken kann: Du schaffst es sowieso nicht. Hat er das Geschirr gespült, die prähistorischen Lebensmittel aussortiert und die Schränke und Regale mit einem wohlriechenden Etwas abgewaschen. Der Körper hat jetzt Blut geleckt und macht sich über den Fußboden her. Ist doch im Handumdrehen alles passiert, verkündet er munter. Diese überschäumende Energie ist geradezu beunruhigend. Nun mal nicht übertreiben, weise ich den Körper in die Schranken als er zum dritten Mal losrennt, um den Müll im Container zu versenken. Kein Problem, Kumpel, erwidert er. Soll ich noch die Fenster putzen, die Gardinen waschen? Fünf Minuten und Du wirst diese Küche nicht mehr erkennen, kontert er. Ich sollte ihn wohl besser ausbremsen, denke ich. Aber er macht seine Sache doch eigentlich ganz gut und diese Küche ist sauber, kann inspiziert werden. Es ist so ordentlich, dass einem Angst und Bange werden kann. Die Schränke sind sauber, der Boden ist sauber, die Spüle ist leer und das letzte Päckchen Zigarillos auch - aber nicht einmal dies schreckt den verrückten Körper. Er rennt los und nach einer halben Stunde steht er weder in der Küche. Ein Päckchen Zigarillos, Eier von unglücklichen Hühnern, Weißbrot, Kaffee, Margarine und ein Notizbuch. Mein Körper und ich lassen uns entspannt am Tisch nieder, da wir ja wissen, dass er mit einem Mittelchen geputzt wurde, dass wahrscheinlich sämtliche Bazillen des Universums ins Jenseits befördert. Wir genehmigen uns einen Kaffee und eine Kippe und gratulieren uns zu der Tatsache, dass wir jetzt kräftig genug sind, um ein neues Leben zu beginnen. Bei der zweiten Tasse Kaffee und der zweiten Kippe befinden sich mein Körper und ich in bestem Einvernehmen. Genau der richtige Zeitpunkt um das jungfräuliche Notizbuch aufzuschlagen. Ich schreibe: heute werde ich ein neues Leben beginnen. Dann erstarre ich. Warum will ich irgendetwas aufschreiben? Warum versuche ich die Vergangenheit zu verstehen? Weshalb befasse ich mich mit Missverständnissen und Mutmaßungen, die ich nicht verstehen kann und die mir nie verständlich gemacht werden. Ich gehe in das Arbeitszimmer, starte den Computer, klappe mein Buch auf. Notizen aus der Unterwelt, Liebesbriefe an einen Tote, verfasse ich hier und widerstehe dem Impuls alles wieder zu löschen, dem Impuls in die Küche zu laufen und nachzusehen, ob ich den verrückten Körper wirklich dazu veranlasst habe, sämtliche Weinvorräte in den Ausguss zu schütten. Da ist er wieder - der Punkt, der gefährliche Abgrund, die Klippe, die allen Bergsteigern als "Schlund des Selbstmitleids" bekannt ist. Ein falscher Schritt und man stürzt tausend Meter in die Tiefe.
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20.04.2006 - Masken
Masken
unmöglich,
jemanden nahe zu kommen gegenseitig zu erkennen.
Versteckspiel - wechselseitig argwöhnisch beobachtet durch Sehschlitze.
Gesten werden analysiert, Erkenntnisse sind ein Urteil
Wachsen - nichts kann wachsen unter den Masken Steine - lassen keine Wärme zu, nur fertige Urteile.
Starre - ausgelöst in rasendem Tempo. Nachgiebigkeit durch Erkenntnis, dass Unrecht man gehandelt, gedacht hat -
darf nicht sein,
ist ein Zeichen von Unerfahrenheit und Schwäche.
Einsamkeit - Tonnenschwere Einsamkeit beruhigt mit hochmütigen Gedanken. Eigene Pein und Not, Gefühle die nicht sein dürfen, werden ausradiert. Seelenmüll, weggeworfen.
Vertrocknete Beziehungen, weil der Speichel zu schade für Worte mit Seele.
Steife Höflichkeit untermalt von einem aufrechten, geraden Blick aus kalten Augen, in denen Tränen nur warten geweint zu werden, um ihn zu unterbrechen
diesen Teufelskreis.
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15.04.2006 - Eingemauert
Eine Ladung Bequemlichkeitsblöcke, eine Ladung Sicherheitseisen, eine Ladung Feigheitsziegel. Alles verkleidet mit netten "Anpassungsklinkern", und oben drauf einen Sicherheitsableiter.
So hast du dich und deine Gefühle eingemauert.
"Gut versorgt" Jetzt kann dich niemand mehr verletzen - aber auch niemand mehr erreichen.
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14.04.2006 - Zerrissen

Narben provisorisch mit Glücksmomenten vernäht, schmerzlich gesammelt und benutzt zum Träumen.
Vertane Zeit hinkt hinterher mit jedem Schritt bohrt sich die Gewissheit der Schmerzen bis in den hintersten, leeren, noch reinen Winkel des Gehirns. Unaufhaltsam verliert auch die Zeit ihre Energie um die unerwünschte Gedanken zu kontrollieren..
Denken ist schwierig nachdenken erscheint wie ein Hämmern gegen kalte, feuchte Mauern aus jahrhundertealten Steinen, meterhoch und ohne den kleinsten Riss um einen Lichtstrahl durchzulassen. Blut rinnt warm über die Hand zerstört für einen Augenblick die Angst vor dem Abtauchen in die Dunkelheit der eigenen Seele. Schreie – laut, verzerrt, hilflos – dann endlich Stille. Lautlos kriecht die Angst hervor sucht nach furchthungrigen Kumpanen, die in schlaflosen Nächten nur darauf warten von ihr gefunden zu werden. Schatten huschen vorbei. Gladiatoren der Nacht, wartend auf ihren nächsten Auftritt hoffen auf Applaus, um ihre Wunden zu salben mit einer Mixtur aus Eitelkeit und Geltungssucht.
Wer sind wir? Wir sind hart. Einsame Kämpfer auf dem Schlachtfeld des Lebens. Wir legen unser Schwert nie beiseite.
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13.04.2006 - Halt mich

Halt mich fest...", sage ich ins Dunkel. Kaum entlasse ich die Worte aus meinem Herzen in die Freiheit, gefrieren sie und fallen klirrend zu Boden. Die Dunkelheit tanzt vor meinen Augen und als ich die Splitter aufheben will, schneide ich mir die Finger blutig. Ich schreibe damit langsam 'Good bye' an den Spiegel.
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11.04.2006 - Verräter
Schwarze Tentakel
wuseln
klebrig und kalt mit fühlenden Fingern
suchend durch das tiefe Tal meiner Gedanken
Schwarze Netze
fangen
heimlich und schnell mit boshaftem Lachen
zielsicher den erbärmlichen Rest meiner Liebe
Schwarze Mäuler
fressen
gierig und geil mit sabberndem Geifer
spielend das blutende Häuflein meiner Seele
Schwarze Gedanken
gewinnen
zornig und scharf mit tödlichem Ernst
schicken vergiftete Pfeile zu Dir
Verräter
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Über mich
Ich bin jemand auf der Suche nach einem Sinn. Ich versuche meinen Platz im Leben zu finden und dazu muss ich wissen wer ich wirklich bin. Seit zwei Jahr begleiten Blackouts mein tägliches Leben .... dabei geht mehr und mehr von mir verloren.... Warum?
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